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Sead
Husic
Psychopathologie der Macht
Die Zerstörung Jugoslawiens im Spiegel der Biographien von Milosević,
Tudjman und Izetbegović
Schiler Verlag, 2007
ISBN: 978-3899301830
Zum Ableben Jugoslawiens wurde in den neunziger Jahren
viel Unsinniges publiziert. Und je nach politischem Standpunkt der Autoren
herrschen zwei Meinungen über das Ende des jugoslawischen Staates
vor. Die eine beschreibt den Zerfallsprozess als ein Auseinanderfallen
der Sozialistischen Republik aufgrund von auf Selbständigkeit pochenden
Nationen. Diese These wird gerne von der politischen Rechten benutzt,
die damit auf die Unmöglichkeit der Schaffung einer stabilen multikulturellen
Gesellschaft hinweisen will. Aber auch im linken politischen Spektrum
findet diese These Anklang, denn das Scheitern des sozialistischen Projekts,
scheint besser erklärbar durch sezessionistische Bestrebungen ökonomisch
weiter entwickelter Republiken wie Sloweniens und Kroatiens als durch
eine aktive Zerstörung Jugoslawiens durch den serbischen und kroatischen
Nationalismus.
Die These, dass es vor allem diese beiden Nationalismen waren, die Titos
Vielvölkerstaat zerstörten, wird zwar mittlerweile in vielen
wissenschaftlichen Analysen geteilt. Jedoch werden in den Analysen zahlreiche
Ursachen benannt, wie die eben erwähnten ökonomischen, sozialpolitischen,
internationalen und historischen, so dass schnell ein komplexes Bild
entsteht und die Schuld an der Zerstörung des Landes auf die jeweiligen
ethnischen Gruppen und ihre Führer verteilt wird und man am Ende
wieder vor der Frage nach der entscheidenden Ursache für den Zerfall
Jugoslawiens steht. Der Begriff "ethnischer Konflikt", der
auf die Kriege in Jugoslawien häufig angewendet wird, bezeugt den
Zustand der Forschung zu den Jugoslawienkriegen, nämlich dass der
Wissenschaftler letztlich nicht weiß, wer die Verantwortung für
den Krieg trägt.
Was bisher in diesem Zusammenhang noch nicht untersucht worden ist,
ist die psychologische Struktur der drei Männer, die mit der Zerstörung
Jugoslawiens eng verbunden sind. Milosević, Tudjman und Izetbegović
waren die Kinder einer Gesellschaft, die sie ab einem bestimmten Zeitpunkt
in ihrem Leben ablehnten und die sie schließlich bekämpft
haben, und zwar intellektuell, politisch und mit Gewalt. In jeder der
Biographien von Milosević, Tudjman und Izetbegović spiegelt
sich die jüngste Geschichte Jugoslawiens, seiner Nachfolgestaaten
und seiner multikulturellen, multikonfessionellen, multireligiösen,
multiethnischen Gesellschaft wider. Sie spiegeln wider die verfehlte
Politik Titos und seiner Kommunistischen Partei und die verfehlten hohen
Ansprüche des Jugoslawismus, der, im Sinne der Brüderlichkeit
und Einheit, den unitarischen Staat gleichberechtigter Völker und
Völkerschaften erreichen wollte und doch nur das Gegenteil erreichte.
Jugoslawien scheiterte wegen seiner Führer, wegen ihrer pathologischen
Veranlagung, Macht erlangen, kontrollieren, besitzen zu wollen, ganz
gleich zu welchem Preis. Aufgrund ihres pathologischen Verhältnisses
zur Macht zerstörten sie Jugoslawien. |
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